{"id":5400,"date":"2022-06-20T19:18:22","date_gmt":"2022-06-20T17:18:22","guid":{"rendered":"https:\/\/mjvv.org\/?p=5400"},"modified":"2022-07-22T16:28:16","modified_gmt":"2022-07-22T14:28:16","slug":"a-pesar-de-todo-la-esperanza","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mjvv.org\/de\/missionare\/a-pesar-de-todo-la-esperanza\/","title":{"rendered":"Trotz aller Schwierigkeiten scheint immer der Glanz der Hoffnung durch"},"content":{"rendered":"<p class=\"Fliesstext\"><span lang=\"DE\">In der Weihnachtszeit des vergangenen Jahres 2021 nahmen wir uns vor, die weit entferntesten Regionen in Bolivien zu besuchen. Wir kamen in Cocayapo nach 8 Fahrstunden an und hatten viele Dinge bei uns, die wir verteilen wollten.<\/span><\/p>\n<p class=\"Fliesstext\"><span lang=\"DE\">Gleich am n\u00e4chsten Tag klopfte sehr zeitig eine Se\u00f1ora Martha an unsere T\u00fcr und fragte uns, ob wir auch das Sakrament der Taufe spenden w\u00fcrden und die Antwort war: \u201eNat\u00fcrlich! Kommen Sie doch gemeinsam mit ihrem Ehemann und den Taufpaten zu dem Taufgespr\u00e4ch!\u201c<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-4607 size-full\" src=\"https:\/\/mjvv.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/speranza-nonostante1200x650px.jpg\" alt=\"\" width=\"1200\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/mjvv.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/speranza-nonostante1200x650px.jpg 1200w, https:\/\/mjvv.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/speranza-nonostante1200x650px-300x163.jpg 300w, https:\/\/mjvv.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/speranza-nonostante1200x650px-1024x555.jpg 1024w, https:\/\/mjvv.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/speranza-nonostante1200x650px-768x416.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/p>\n<p>Nach dieser Antwort merkte man gleich, dass dies nicht der Hauptgrund ihres Besuches war. Martha begann zu weinen. Als immer mehr Menschen zu uns kamen, f\u00fchlte sie sich unbehaglich und Madre Augusta schlug ihr vor, ob wir sie doch nicht in ihrem Haus besuchen k\u00f6nnten, worauf sie zustimmte.<\/p>\n<p>Nachdem wir uns um die angekommenen Menschen gek\u00fcmmert hatten, machten wir uns gemeinsam mit Do\u00f1a Martha auf den Weg. Dabei z\u00e4hlte sie die Namen ihrer Nachbarn auf, zeigte uns die Wege, wie wir zu ihnen gelangen k\u00f6nnten, weil jedes Haus f\u00fcr sich sehr weit entfernt von den anderen liegt.<\/p>\n<p>Als wir schlie\u00dflich bei ihrem Haus ankamen, erwarteten uns schon ihre 7 Kinder. Die Kinder in ihren alten Kleidern, sie alle in Reih und Glied so stehen zu sehen, hinterlie\u00dfen einen pr\u00e4genden Eindruck. Der \u00c4lteste war Israel mit seinen 14 Jahren, und die J\u00fcngste, die noch nicht einmal ein Jahr alt war, lag in den Armen ihrer 12-j\u00e4hrigen Schwester Mayte. In allen Gesichtern spiegelte sich eine abgrundtiefe Traurigkeit.<\/p>\n<p>Ihr H\u00e4uschen war sehr armselig, die K\u00fcche lag unter einer sehr einfachen und zerbrechlichen Plane. Martha lud uns trotz ihrer Armut ein und wir a\u00dfen ein Maisgericht. Nachdem sie es uns auftrug, fragte Madre Augusta, welches ihr Problem sei. Sofort brach sie in Tr\u00e4nen aus und weinend erz\u00e4hlte sie uns ihre bewegende Geschiche:<\/p>\n<p>Die Regierung von Bolivien hat in einem Gesetz erlassen, dass jedes Kind eine Schulbildung erhalten muss. Dar\u00fcberhinaus haben alle, die weit entfernt von einer Schule leben, die M\u00f6glichkeit, in einem Internat zu wohnen, und zwar von Montag bis Freitag. Der \u00e4lteste Sohn Israel hatte auf Grund des Gesetzes seine Schulausbildung aufzunehmen, an einer Schule die zu Fu\u00df 3 bis 4 Stunden entfernt lag. Im Internat bekam er eine Schlafm\u00f6glichkeit und Essen. Da er sehr arm war, hatte er keine Schulsachen und wegen seiner Unterern\u00e4hrung konnte er sich kaum konzentrieren.<\/p>\n<p>Israel, der nur eine kurze Zeit am Unterricht teilnahm, er\u00f6ffnete bald seinen Eltern, dass er nicht weiterlernen wolle und gab keinen Grund daf\u00fcr an, warum er der Schule fernblieb. Und bald schon lie\u00df der Vorstand die Eltern wissen: \u201eWenn ihr Sohn, weiterhin der Schulausbildung fernbleibt, ist eine Strafe von 1000 Bolivanos, das 200 Euro entspricht, f\u00e4llig.\u201c Die Eltern Jose und Martha baten ihren Sohn inst\u00e4ndig, weiter die Schule zu besuchen, aber er weigerte sich.<\/p>\n<p>\u00dcber Do\u00f1a Elizabeth, eine Mitarbeiterin im Internat erfuhren die Eltern sp\u00e4ter, dass der Lehrer zu Israel gesagt hatte: \u201eWenn du schon keine Schulsachen (Hefte, B\u00fccher, Stifte \u2026) hast, wozu kommst du \u00fcberhaupt in die Schule?\u201c Das war also der Grund f\u00fcr die Verweigerung.<\/p>\n<p>Die Familie war in der Tat sehr arm, sie hatten einige Schafe und der Mais, den sie anbauten, reichte gerade f\u00fcr die Selbstversorgung. Sie besa\u00dfen kein eigenes Land und somit war es klar, dass sie kein Geld hatten, um Schulsachen zu kaufen, und noch weniger war es ihnen m\u00f6glich, die Strafe zu zahlen.<\/p>\n<p>Nach Ablauf der Zahlfrist kam vom Vorstand ein neuer Brief, und diesmal war der Betrag noch h\u00f6her. Und man verwies auf Sanktionen, die erf\u00fcllt werden mussten. Doch woher sollte man so eine hohen Geldbetrag holen?<\/p>\n<p>Don Jose, sehr besorgt \u00fcber diese Situation beschloss in der n\u00e4chstgelegenen Stadt Camargo eine Arbeit zu suchen. Zu Fu\u00df braucht man 3 Tage, nat\u00fcrlich g\u00e4be es auch Fahrverbindungen, aber daf\u00fcr reichte das Geld nicht. Der arme Mann beschloss zu Fu\u00df nach Camargo zu gehen und um sich Mut anzutrinken, kaufte er sich eine Flasche Lik\u00f6r. Er durchschritt einsame Berge und als die Nacht hereinbrach, schlief er etwas benebelt ein und zwar am Rande des Weges. Als er in der Fr\u00fch erwachte, war es ihm sehr kalt, er fand einige Streichh\u00f6lzer in seiner Tasche, nahm etwas Stroh und machte Feuer, um sich zu w\u00e4rmen. Zu seinem Ungl\u00fcck kam ein Windsto\u00df und das Feuer breitete sich aus. Er versuchte es zu l\u00f6schen, aber ohne Erfolg! Er nahm seinen Weg wieder auf und traf am Vormittag unterwegs Don Juan, der ihn dann wohl wegen Brandstiftung angezeigt haben muss.<\/p>\n<p>Nachdem er in der Stadt keine Arbeit gefunden hatte, kehrte er nach einigen Tagen wieder nach Hause zur\u00fcck. Mit gro\u00dfem Schrecken fand er eine polizeiliche Benachrichtigung vor, die ihn wegen Brandstifung von Feldern, W\u00e4ldern und Landh\u00e4usern anklagte.<\/p>\n<p>Es stimmt, dass es dort das eine oder andere Haus gibt, aber dort lebt kein Mensch, sie dienen nur zum Unterstand f\u00fcr Tiere, wenn es regnet. Es ist auch wahr, dass er ohne es zu wollen diesen H\u00fcgel abgebrannt hatte. Auf der anderen Seite des H\u00fcgels, kam es auch zum Brand, aber verursacht durch eine andere Person und weil diese Person Geld hatte, kam es bei diesem Vorfall nicht zur Anzeige. In Wirklichkeit gibt es dort auch keinen Wald und das Strohhaus, das abbrannte, stand im Innern leer. Don Jose, der nur Quechua spricht, hatte Schwierigkeiten sich richtig auf spanisch auszudr\u00fccken und so konnte er sich nicht verteidigen. Nach der zweiten poizeilichen Benachrichtigung wurde er abgef\u00fchrt und ins Gef\u00e4ngnis gebracht.<\/p>\n<p>Dona Martha erz\u00e4hlte uns unter Schluchzen: \u201eMein Mann ist schon seit 15 Tagen nicht mehr bei uns, und ich wei\u00df nicht, wo er ist und wie es ihm geht. Die Polizei hat ihn einfach abgef\u00fchrt und da ich kein Telefon habe, kann ich nicht mit ihm reden. Wir hatten ausgemacht, dass er sich beim Telefon unseres Nachbarn melden w\u00fcrde, aber er hat noch nicht angerufen.\u201c Und viele Tr\u00e4nen flossen, und alle Kinder standen mit gro\u00dfer Traurigkeit um ihre Mutter. Alle wussten, dass ihr Papa im Gef\u00e4ngnis war.<\/p>\n<p>Nachdem wir diese traurige und schwierige Situation geh\u00f6rt hatten, blieb uns nur noch die Zuflucht zu unserem G\u00f6ttlichen Richter, der alles wei\u00df. Wir segneten ihr Haus, beteten gemeinsam den Rosenkranz f\u00fcr Don Jose, und flehten Gott an, Er m\u00f6ge doch bitte die Gebete der Kinder erh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Israel, der lange Haare hatte, was etwas un\u00fcblich bei Jungen in dieser Gegend ist, schien mit seinen Haaren die jungen, modernen Menschen der Stadt zu imitieren.<\/p>\n<p>Madre Melania sagte zu ihm: \u201eIsrael, lass dir doch die Haare schneiden, sonst kann ich dich ja gar nicht richtig von deiner Schwester Mayte unterscheiden, wenn ihr beide zusammen vor mir steht.\u201c Er schaute mich daraufhin an und l\u00e4chelte. Er fragte mit leiser Stimme Madre Augusta: \u201eK\u00f6nnten Sie mit die Haare schneiden?\u201c \u201eNat\u00fcrlich! Israel, willst du dass Madre Augusta dir die Haare schneidet?\u201c Der Junge nickte zustimmend und Madre Augusta begann voller Tatendrang ihm die Haare zu schneiden. Nach getaner Arbeit, stand ein fescher junger Israel vor uns und er war sehr erleichtert. Der Grund, warum er lange Haare hatte, war, dass es hier keinen gab, der es ihm h\u00e4tte schneiden k\u00f6nnen und f\u00fcr ein Haarschnitt beim Friseur war kein Geld vorhanden.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich verabschiedeten wir uns von der Familie und luden sie ein, dass sie doch abends zum Gebet in die Kirche kommen m\u00f6gen und wir immer f\u00fcr sie da sind, wenn sie Kleidung und Nahrungsmittel br\u00e4uchten.<\/p>\n<p>Nun machten wir uns auf den Weg zu ihren Gro\u00dfeltern und bald darauf \u00fcberraschte uns dort Israel, unterbrach unser Gespr\u00e4ch und rief, indem er sich die M\u00fctze vom Kopf nahm: \u201eSchau, Mamita.\u201c Und schon lief er weiter zu seinem Cousin, eine Vollwaise von 12 Jahren, der gerade dabei war mit dem Ochsen die Erde zu pfl\u00fcgen, und auch diesem berichtete er voller Freude \u00fcber den neuen Haarschnitt.<\/p>\n<p>Dies ist eine der vielen Wirklichkeiten, mit denen wir leben m\u00fcssen und wo wir gro\u00dfe Grenzen aufgezeigt bekommen und Machtlosigkeit. Die Armut hindert ein Kind zu \u00fcberleben, und erschwert sein Entwicklung in all seinen Aspekten, sei es physisch,mental, emotional, kulturell, sozial, famili\u00e4r oder spirituell. Und deshalb versuchen wir ihnen zu helfen.<\/p>\n<p>M\u00f6ge Gott, reich an Erbarmen dieser Familie Trost spenden. Bei dieser Gelegenheit danken wir allen Menschen, die uns bei unserer Mission sowohl finanziell als auch spirituell unterst\u00fctzen. Gott m\u00f6ge Sie segnen und es Ihnen reichlich vergelten!<\/p>\n<p>Liebe Wohlt\u00e4ter, m\u00f6ge Gott, reich an Erbarmen dieser Familie Trost spenden! Als Missionarinnen sendet Gott uns aus, uns um seine Schafe in diesen abgelegenen und verlassenen Orten zu k\u00fcmmern, die von der Zivilisation abgeschnitten sind. Mit Ihrer Hilfe k\u00f6nnen wir ihre materielle Armut lindern, wof\u00fcr wir sehr dankbar sind. M\u00f6ge der Heilige Geist Ihnen seine Gaben schenken. F\u00fcr dieses Anliegen beten wir alle Missionarinnen vom lehrenden und s\u00fchnenden Heiland.<\/p>\n<p>Gesegnete Gr\u00fc\u00dfe!<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Ihre Madre Augusta und Madre Melanie MJVV<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Weihnachtszeit des vergangenen Jahres 2021 nahmen wir uns vor, die weit entferntesten Regionen in Bolivien zu besuchen. Wir kamen in Cocayapo nach 8 Fahrstunden an und hatten viele Dinge bei uns, die wir verteilen wollten. 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